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Märkische Allgemeine
Mittwoch, 9. August 2006

Software und Hackbällchen
Sehgeschädigte aus 15 Nationen treffen sich zum Computer-Camp

Königs Wusterhausen. 70 sehgeschädigte und blinde Mädchen und Jungen aus 15 Nationen nehmen gegenwärtig an einem Computer-Camp an der Blindenschule in Königs Wusterhausen teil.
Bis kommenden Freitag lernen sie, wie sie den Computer in ihr Leben einbeziehen und nutzen können. „Den jungen Leuten wird damit das Selbstbewusstsein vermittelt, das sie brauchen, um in einer Hightech-Gesellschaft zu bestehen“, sagt Organisator Joachim Klaus vom Studienzentrum für Sehgeschädigte in Karlsruhe. Er hatte das Camp, das schon zwölfmal stattfand, erstmals nach Königs Wusterhausen geholt. Die Jugendlichen arbeiten in verschiedenen Räumen an Computern mit speziellen Zusatzgeräten. An einem Platz wird ein Foto bearbeitet, an einem anderen an einem Video mit Geräuschen gebastelt. Gesprochen wird in Englisch.
Informatiklehrer Jörgen Pihl zeigt den Jugendlichen, wie Bilder verkleinert werden. Es wird über Software und Power – Point gefachsimpelt. Der 17-jährige Tom Engeleiter hilft ebenfalls, wenn es irgendwo organisatorische Fragen gibt. Er kennt sich auf dem Anwesen aus, geht hier selbst zur Schule. Doch viele Teilnehmer haben sich trotz ihrer Behinderung schnell auf dem Gelände zurecht gefunden. Manche sind mit einem Blindenhund unterwegs. Nicht immer geht es schnurstracks zum Computer. Die Teilnehmer können sich auch für andere Workshops entscheiden. Appetitanregende Gerüche hängen in der Luft. Sie kommen aus dem Raum „Cooking in Brandenburg“. Unter Anleitung von Diana Zehl haben die Teilnehmer Hackbällchen gebraten. An der Kühlschränken steht in Deutsch und in der Blindenschrift, welche Küchengeräte sich dort befinden. „ Die Teilnehmer sind auf sich selbst gestellt, machen alles allein“, erklärt Diana Zehl. „Sie kommen übrigens auch alle ein Kochbuch, in dem sie etwas über die Gerichte des Spreewalds erfahren.“ Das beliebteste Rezept wird am Ende der Woche gekürt. Hackbällchen sind momentan Spitzenreiter.
An einer Pinnwand hängen die Ankündigungen für die Abendveranstaltungen. Es geht nach Berlin, zum Bootsausflug auf den Nottekanal oder zum Tandemfahren.
Am Freitag gibt es ein Abschlussfest. Dann reisen die neuen Teilnehmer an.