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Aus: Badische Neuste Nachrichten vom 5. Juni 2007

Giftgrüne Kreise entspannen die Augäpfel
Schon Schulkinder profitieren von Sehtraining / Projekt für Senioren startet am 13. Juni

Von unserem Redaktionsmitglied Kirsten Etzold


Adleraugen müsste man haben, scharf sehen ohne Brille, am liebsten ein Leben lang. Glückssache? Die meisten Menschen denken fast fatalistisch, "mit zunehmendem Alter kommt halt die Brille", beobachtet Joachim Klaus, der Geschäftsführer des Studienzentrums für Sehgeschädigte an der Universität Karlsruhe. Nach fünf Jahren Erfahrung mit seiner offenen Veranstaltungsreihe "Montags-Demo" zum Thema Sehen ist der Experte für Forschung, Betreuung und Begleitung bei Sehbehinderung sicher: Ein neuer Blickwinkel ist fällig. "Viele halten sich fit durch Joggen und Walken", sagt Klaus, "und diese Leute fragen sich jetzt: Was kann ich eigentlich selbst für mein Auge tun?"

Der Andrang zum gestrigen Impulsvortrag "Augenschule" gibt Klaus Recht: Über 60 Interessierte, durchaus nicht nur ältere Damen und Herren, drängten sich am Nachmittag im Informatikinstitut am Fasanengarten, um mit dem Augentrainer Wolfgang Hätscher-Rosenbauer vom Institut für Sehtraining in Bad Vilbel bei Frankfurt Übungen zur Stärkung gestresster oder eingeschränkter Sehorgane auszuprobieren.
 
Der Kontakt kam über die Karlsruherin Karin Sauer zu Stande, eine ehemalige Schülerin des Referenten.
Für die Augenschule interessieren sich nicht nur Menschen, denen ein Blutgerinnsel im Sehzentrum oder ein Netzhautschaden zu schaffen macht. Einige ältere Brillenträgerinnen mit unauffälliger Glasstärke sitzen im Publikum und auch eine Handvoll junger Leute. Konzentriert richten sie den Blick auf giftgrüne Kreise, violette Rauten oder rote Quadrate auf grauem Grund. Neugierig reiben sie ihre Handflächen aneinander und bedecken dann damit ihre Augenpartie, um den Augäpfeln ein paar Momente tiefer Entspannung zu gönnen. Mit der Nasenspitze eine liegende Acht zu beschreiben, bringt überraschendes Knacken und
Knirschen: Kein "Kalk", sondern kleine Luftbläschen an den Halswirbeln erzeugen die Geräusche, erklärt der Referent beruhigend.
Schon Schulkinder lernen Augengymnastik, Betriebe verschaffen ihren Beschäftigten Augen-Trainings-Seminare. Entspannung und verbesserte Durchblutung sind die Schlüsselfaktoren, davon profitiert die Leistungskraft der Sehorgane genauso wie die Beinmuskulatur eines Sprinters. Dennoch: Eine dauerhafte Augenschule wird das Uni-Studienzentrum für Sehgeschädigte nicht bieten, erklärt Klaus.
"Unsere Aufgabe kann nur sein, Forschungsergebnisse in die Breite zu tragen. Dann ziehen wir uns wieder zurück", sagt der Zentrumsleiter. 
Sein Fachwissen ist weltweit gefragt. Eben aus den USA zurückgekehrt, sitzt Klaus heute schon wieder im Flugzeug nach Tunis. Im Mittelmeerraum, berichtet er, leiden viele Menschen an einer gravierenden Augenerkrankung, die ein Insekt überträgt. Und das nächste Modellprojekt des Studienzentrums beginnt schon am 13. Juni:   In Rüppurr startet mit Beteiligung des Sozialministeriums ein Seniorenprogramm, bei dem die Sonderpädagogin Carolin Debelt ältere Menschen und sehbehinderte Schüler aus der Schule am Weinweg gemeinsam in die Computerwelt des Internet und der E-Mail begleitet.

Buchtipp und Kontakt
Von Wolfgang Hätscher-Rosenbauer ist das Buch "Augenschule für gesundes Sehen" erschienen, ISBN 3-00-009753-8, erhältlich im Buchhandel zum Preis von 9,95 Euro. Die Karlsruher Augentrainerin Karin Sauer, Telefon (01 76) 22 66 32 50, hat die Webadresse http://www.sehmoewe.de/.