BNN vom 14.Juni 2007
Mit 95 Jahren die erste E-Mail an den Sohn
Computer im Wohnstift Rüppurr erfreuen sich reger Nutzung
gra. An den Computern in diesem "Surf-Point" geht alles ein bisschen langsamer. Es ist ein bisschen gemütlicher als in den gängigen Internet-Cafes, ein bisschen weniger los. Die Besucher sind ein bisschen älter als der durchschnittliche Internet-Nutzer. Aber bis auf die speziellen Lesegeräte und die größere Schrift auf dem Bildschirm ist es sonst kein bisschen anders im zum "Surf-Point" umfunktionierten Fernseh-Zimmer des Wohn-Stifts in Karlsruhe-Rüppurr. Hier lernen Senioren Computer Internet und die neuen Kommunikationsmöglichkeiten kennen - und nutzen sie inzwischen eifrig.
Durch das von der EU geförderte Projekt "Karlsruhe lernt" ist in den Jahren 2003 und 2004 ein Konzept entstanden, das unter dem Namen "Rüppurrer Modell" jetzt - ginge es nach den Beteiligten - auch landesweit Schule machen könnte: In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sehgeschädigte (SZS) der Universität Karlsruhe hat das Wohn-Stift einen Computerraum mit drei Arbeitsplätzen eingerichtet. Einer der Computer ist sehbehindertengerecht ausgestattet, bei allen ist eine spezielle Vergrößerungs-Software installiert. Dort lernen die Senioren unter Anleitung einer Sonderpädagogin, wie sie einen Computer bedienen. Außerdem beteiligen sich Schüler der neunten Klasse der Sehbehindertenschule am Weinweg an der "Ausbildung" der Senioren. Bürgermeister Harald Denecken ist begeistert: "Schüler und Senioren - das ist eigentlich der Königsweg."
Das findet auch Rüdiger Frank, stellvertretender Geschäftsführer des Wohnstifts: "Mit drei Bwohnern haben wir damals angefangen, jetzt nehmen schon 30 an den Kursen teil." Obwohl die Finanzierung nur noch bis Ende 2007 gesichert ist, soll es weiter gehen mit den Computer-Kursen im Wohnstift. "Eine 95-jährige Dame hat hier die erste E-Mail an ihren Sohn in England geschrieben und gleich eine Antwort erhalten. Sonst gab's immer nur eine Postkarte zum Geburtstag." Als "Förderung der Re-Integration" bezeichnet SZS-Geschäftsführer Joachim Klaus diesen Effekt. Davon ist auch Dieter Hillebrand, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit und Soziales Baden Württemberg, überzeugt: "Das Rüppurrer Modell ist ein voller Erfolg und könnte landesweit Schule machen".


